0642133112
Für Pflegekinder spenden

Für Pflegekinder spenden

Für Pflegekinder spenden. Wieso das so wichtig ist soll die folgende Geschichte von Markus zeigen. Markus entwickelt seine Leidenschaft für Tennis. Wir laden Sie mit Markus in Resonanz zu gehen.

Tennis wurde seine Leidenschaft

„Ich gehe mit Jan auf den Tennisplatz“, ruft Markus und schon ist er aus der Türe draußen. Sandra und Klaus sehen sich an und wissen, dass sie das gleiche denken. Seit vier Wochen scheint es in Markus Leben kein anderes Thema mehr zu geben als Tennis. Begonnen hatte die bisher noch kaum gelebte Leidenschaft an dem Wochenende Anfang Juni, an dem er mit Jan und dessen Eltern zu einem Tennisturnier in Nähe gefahren und an den nachfolgenden Tagen von Jan ein paar Grundlagen gelernt hatte.

Jans Eltern, ein Ärzteehepaar, das einige Straßen weiter in einer schönen Altbauvilla lebte, spielten ebenfalls Tennis und nahmen, wie Jan, regelmäßig Unterricht. Sandra und Klaus freuten sich sehr, dass Markus so guten Anschluss gefunden hatte und es auch endlich etwas gab, das ihn wirklich interessierte.

Markus und seine Mama

Vor zwei Jahren hatten sie ihn als Pflegekind aufgenommen. Damals war er schon 10 Jahre alt gewesen und nach kurzer Zeit in einer Kurzzeitpflegefamilie zu ihnen gekommen. Er war abgemagert, scheu und ängstlich gewesen und konnte abends lange nicht einschlafen. Seine psychisch kranke Mutter hatte bis zuletzt versucht, ihn bei sich zu behalten, auch dann noch, als sie sich selbst immer wieder für einige Wochen in die Klinik einwies und ihren Sohn vollkommen alleine zurücklies. Das bisschen Geld, das sie ihm dann in das Kästchen auf der Küchenzeile legte, reichte kaum für ein paar Tage.

Abends kam seine Angst

Und abends kam die Angst, wenn er alleine in seinem Bett lag und betete, dass es seiner Mama gut ginge und sie bald wieder käme. Dann versuchte Markus, möglichst oft bei Freunden zu übernachten. An Geburtstagen war er der einzige, der nichts mit in die Schule brachte und wenn er gefragt wurde, wo denn seine Mutter sei und warum sie nicht zum Elternabend käme, antwortete er nicht. Die meisten Kinder hatten nachmittags irgendwelche Hobbys. Sie spielten ein Instrument, waren im Fußballverein oder bei den Pfadfindern. Überall musste man Beiträge bezahlen, bestimmte Kleidung tragen und fuhr auf Freizeiten. Von alle dem konnte Markus nur träumen. Als Markus von der Polizei mitgenommen wurde, nachdem er dabei erwischt wurde, wie er eine Packung Kekse im Supermarkt klauen wollte, war seine Mutter schon so lange weg, dass er an Freizeitaktivitäten keinen Gedanken mehr verschwendete. Hauptsache, er hatte etwas zu essen.

Bei Sandra und Klaus den Neuanfang schaffen

Sich an Sandra und Klaus zu gewöhnen, war Markus nicht direkt leicht gefallen. Zwar war er dankbar, dass er immer etwas zu essen hatte und nachts nicht mehr alleine einschlafen musste. Aber seine Heimatstadt und seine Freunde waren weit weg und seine Mutter sah er nur noch selten und es war jedes Mal schwierig für ihn. Sandra hatte ihn zum Fußball und zum Schwimmen gebracht und schließlich zu den Pfadfindern. Nichts davon machte ihm Spaß und oft ging er lieber alleine durch die Straßen seiner neuen Stadt, als mit seinen Klassenkameraden zu spielen.

Jan und Markus

Jetzt waren sie froh, dass er sich mit Jan angefreundet hatte, der nur ein paar Straßen weiter wohnte. Was ihnen hingegen Sorgen machte, war die offensichtliche und ungewohnte Begeisterung für Tennis. Noch nie hatte sich Markus so sehr für etwas begeistert. Und die ersten Schläge lernte er von Jan schneller und leichter als jemals etwas anderes. Als sie sich jedoch beim heimischen Tennisclub erkundigt hatten, wieviel eine Tennisstunde kosten würde, waren sie traurig geworden. Für den Anfang wurden ihnen wöchentliche Einzelstunden empfohlen und diese kosteten deutlich mehr als mit dem normalen Pflegegeld finanzierbar war. Also war klar, dass Markus immer mal so mitspielen würde, ohne eine besondere Förderung zu bekommen.

Für Pflegekinder spenden!

Für Pflegekinder spenden

Die Begeisterung für Tennis ungebrochen

Die Begeisterung von Markus für das Tennis blieb, ebenso wie die Freundschaft zu Jan. Als Markus ungefähr 14 Jahre alt war und am frühen Abend völlig ausgepowert jedoch wunderbar gelaunt vom Tennis kam, klingelte gegen 19.00 Uhr das Telefon bei ihnen zu Hause. Klaus ging dran. Es war ein Tennistrainer vom benachtbarten Tennisclub. Er hatte Markus spielen sehen und schwärmte von seinem Talent. So etwas hätte er seid Jahren nicht mehr gesehen. Sein taktische Verständnis, die Platzbeherrschung und seine Physis seien besonders. Und er würde empfehlen, Markus gezielt zu fördern. Doch wie sollte das gehen? Wer sollte das finanzieren? Schon damals entschieden sie, dass ein Förderung finanziell nicht zu leisten war.

Sein Talent und die Lösung

Doch Sandra und Klaus ging nicht aus dem Kopf, dass sie Markus eine Chance in seinem Leben verbauen würden. An diesem Sonntagmorgen sprachen Sandra und Klaus zu wiederholten Mal über dieses Thema, ohne, dass ihnen etwas Neues einfiel. „Ich starte jetzt einen letzten Versuch“, sagte Klaus. „Ich suche jetzt gezielt nach einer finanziellen Unterstützung für Pflegekinder. Sowas muss es doch irgendwo geben“.

Klaus suchte nach „Für Pflegekinder spenden“ und tatsächlich: Im Internet stieß er auf den neu gegründeten Förderverein für Pflegekinder. Ob sie wohl auch solche Freizeitaktivitäten fördern würden? Als er am Montagmorgen anrief, war schnell klar, dass er genau das gefunden hatte, was sie brauchten. Es mussten ein paar Formalitäten geklärt werden. Als Markus dann vier Woche später am Nachmittag aus der Schule käme, würde er den Termin für seine erste Tennisstunde im Familienkalender finden können.

Was aus Markus geworden ist, können Sie sich vielleicht selbst ausmalen. Wir machen die Erfahrung, dass es immer wieder Pflegekinder gibt, die besondere Talente haben. Eine aufwendig finanzielle Förderung ist i.d.R. nicht zu realisieren. Lesen Sie dazu auch den Artikel über die Chancengleichheit von Pflegekindern.

Möchten Sie auch für Pflegekinder spenden. Wir uns über jeden Euro. Hier der Link zu unserem Spendenformular.

Talente von Pflegekindern fördern

Talente von Pflegekindern fördern

Stellen Sie sich vor, wenn es den Förderverein zur Unterstützung schon vor 15 Jahren gegeben hätte. Vielleicht könnten wir dann heute folgende Geschichter erzählen:

Pflegekind Katharina fördern

„Und jetzt die Bläser. Wir beginnen auf der zweiten Seite oben. Und denkt an den Auftakt“, sagt Herr Schulz, der Dirigent und beginnt anzuzählen. Aufmerksam sitzt Katharina in der dritten Reihe des Freien Jugendorchesters und zählt die ersten Schläge mit um den Auftakt nicht zu verpassen. In den Händen hält sie eine gebrauchte Klarinette, die die besten Tage schon hinter sich gelassen hat und nur schwer zu spielen ist. Sie hat extra ein leichtes Blättchen genommen und es vorher gut angefeuchtet, aber ihr Instrument gibt sich mit jedem Ton schwerfälliger. Außerdem riecht es etwas unangenehm, findet Katharina, auch, wenn sie sich schon daran gewöhnt hat. Es ist ja nicht so, dass sie nicht schon unangenehmere Dinge gerochen hätte.

Gerüche aus der Vergangenheit

Manchmal steigen ihr Gerüche derart intensiv in die Nase, die ihr so vertraut vorkommen, dass sie zusammenzuckt. Zum Beispiel, wenn sie unter der Unterführung am Bahnhof hindurchgeht, wo es nach Erbrochenem und nach Alkohol riecht. Und das, obwohl sie nun schon länger als sechs Jahre in ihrer Pflegefamilie wohnt. Sie war gerade sieben Jahre alt geworden, als eines Morgens das Jugendamt auf dem Schulhof stand und zwei Polizisten ihr dabei halfen, in den Polizeibus zu klettern. Am Wochenende davor war der Streit zwischen ihrer Mutter und deren neuem Freund (sie konnte schon gar nicht mehr mitzählen, der wievielte es war) eskaliert. Wie immer war ihre Mutter betrunken gewesen und hatte wenig Interesse an ihr gezeigt. Bis zu dem Moment, in dem ihr Freund ausholte um sie zu schlagen und sie ihre Tochter vor sich schob. Diesmal war der blaue Fleck so groß, dass Katharina ihn nicht mehr verbergen konnte. Auch nicht, als sie nach draußen rannte und versuchte, sich vor dem nahenden Nachbarn im Gebüsch zu verstecken.

Der alte Mann und seine Klarinette

Wahrscheinlich war er es gewesen, der das Jugendamt informiert hatte. Katharina hasste ihn. Alles an ihr schmerzte und dass ihre Mutter mal einen ihrer guten Tage hatte und mit ihr auf den Spielplatz gegangen war, war so lange her, dass sie sich kaum noch erinnern konnte. Vor allem den alten Mann, der immer mit seiner Klarinette an der Ecke saß und den Koffer vor sich stellte, in dem kaum je ein paar Münzen lagen, mochte sie. Dann schaukelte sie im Takt des Klarinettenspiels und träumte davon wie es wäre, auch einmal ein Instrument in der Hand zu halten. Oft kam es ihr so vor als wären die Töne der Klarinette sanfter, als alles andere in ihrem Leben.

Exkurs: Vielleicht war dieses Erlebnis von Katharina mit ausschlaggebend für die Entwicklung ihres Talents.

Wie lassen sich Talente von Pflegekindern fördern, gerade wenn Sie mehr finanzielle Ressourcen erfordern. Oftmals sind bei hochwertigeren Anschaffungen z.B. von Musikinstrumenten die öffentlichen Kostenträgern nicht in der Lage vollumfänglich die Kosten zu übernehmen. Und auch das Pflegegeld für die Pflegekinder reicht dafür nicht aus. Vor diesem Hintergrund haben wir den Förderverein zur Unterstützung von Pflegekindern Deutschland e.V. geründet. Wir möchten mit Hilfe von Spenden genau diese Lücken schließen.

Eine Klarinette vom Pflegegeld nicht zu bezahlen

In Sekundenschnelle ziehen diese Bilder an ihr vorbei, als sie die Takte im Orchester mitzählt und einatmet um den Auftakt zu spielen. Vielleicht hätte sie genauer träumen sollen, denkt sie. Denn nun sitzt sie da und hat eine Klarinette in der Hand, die übel riecht und schwer zu spielen ist. Nicht, dass sie das nicht wertschätzt, aber wenn ihr Lehrer ihr rät, sich ein professionelles und neues Instrument zuzulegen, lächelt sie nur und nickt. Für eine neue Klarinette ist das Pflegegeld nicht gedacht und reicht bei Weitem nicht aus. Dabei scheint Katharina die Klarinettentöne mehr aufgesogen zu habe, als die Milch ihrer Mutter. Manche Erwachsenen, die Katharina spielen hören, haben den Eindruck, sie habe die Töne bereits in sich und müsse sie nur noch nach außen tragen. Sie mag das, denn so fühlt es sich für sie an.

Talente von Pflegekindern fördern

Wieder zu Hause in der Pflegefamilie

Auf dem Nachhauseweg übt sie mit den Fingern weiter, und summt dazu leise die Melodie vor sich hin. Sie öffnet das kleine Gartentürchen und geht die Stufen zu dem Haus hinauf, das nun seit sechs Jahren ihr Zuhause ist.

Überraschung

Ihre Pflegemutter öffnet ihr die Türe und schaut geheimnisvoll. „Katharina, schön, dass du da bist. Ich habe eine Überraschung für dich. Setz dich mal auf den Sessel und schließe die Augen. Du darfst sie aber nicht öffnen, bevor ich es dir sage“. Katharina setzt sich und hält die Hände vor sich. Etwas Schweres und Viereckiges legt sich darauf. Sie betastet es von allen Seiten, dann darf sie die Augen öffnen. Ein schlichter, schwarzer Koffer liegt dort. Katharina hält den Atem an und traut sich kaum ihn zu öffnen. Ein bisschen bleibt die Angst, es könnte doch etwas anderes sein. Dann öffnet sie den Klettverschluss und den Kasten. Vor ihr liegt eine neue Klarinette. Die Klappen funkeln im Licht und sie riecht neu und sauber. Vorsichtig legt sie ein Blättchen auf und hebt das Instrument an den Mund. Die Töne schweben sanft und leicht durch den Raum, als kämen sie aus einer anderen Welt. Talente von Pflegekindern fördern – Katharinas Geschichte macht Mut.

Das erste Solostück spielen

Sieben Jahre später ist Katharina 20 Jahre alt. Einmal in der Woche probt sie mit dem städtischen Orchester und wird bei der nächsten Aufführung zum ersten Mal ein ganzes Solostück spielen. Bevor sie auf die Bühne geht, klappt sie den Deckel ihres Klarinettenkoffers auf und schaut das Bild ihre beiden Pflegeeltern an. Sie ist dankbar, dass sie ihr diesen Traum mit Hilfe des Fördervereins erfüllen konnten.

Auch Sie können die Talente von Pflegekindern fördern.

Wir freuen uns über Ihre Spenden. Hier der Link!

Chancengleichheit für Pflegekinder

Chancengleichheit für Pflegekinder

von Jana Bamberger, Master Studierende im Bereich „Soziologie und Sozialforschung“ an der Universität Marburg.

Durch die Aufnahme von Pflegekindern in eine Pflegefamilie sollen diese Geborgenheit, Liebe, Unterstützung und Anerkennung erfahren und dazu befähigt werden, ein selbstbestimmtes und zufriedenstellendes Leben zu führen. Auf dem Weg in eine selbstbestimmte und gleichberechtige Zukunft stellen sich Pflegekindern jedoch noch immer zahlreiche Hürden, welche diesen einen erfolgreichen Lebensverlauf erschweren oder gar unmöglich machen…

Schwierige Herkunftsverhältnisse

Pflegekinder sind durch Erlebnisse in ihren Ursprungsfamilien oftmals sehr stark geprägt und benötigen daher eine spezielle Förderung und besonders starken Rückhalt. Die meisten Pflegekinder stammen aus Familien, in denen die Eltern – oftmals auch alleinerziehende Elternteile – nicht in der Lage sind, ausreichend für ihre Kinder zu sorgen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein und erstrecken sich von persönlichen Schicksalsschlägen über physische und psychische Krankheiten oder Drogenabhängigkeit bis hin zu finanzieller Not. Oftmals häufen sich mehrere Probleme an und werden zu einer ausweglos erscheinenden Situation, in welcher die Familien keinen ausreichenden Rückhalt erfahren. Nicht selten kommt es vor diesem Hintergrund auch zu Misshandlungen der eigenen Kinder.

Die Erlebnisse in den Herkunftsfamilien führen häufig dazu, dass die Kinder Verhaltensweisen entwickeln, die ihnen helfen mit ihrer Situation zurechtzukommen. Diese Verhaltensmuster können sich für die weitere Entwicklung der Kinder und das Zusammenleben mit anderen Menschen jedoch äußerst schwierig und problematisch gestalten.

Übergangsproblematik von Pflegekindern

Insbesondere der Übergang in das Erwachsenenalter gestaltet sich für Pflegekinder oftmals als schwerwiegende Herausforderung. Junge Menschen, die eine gewisse Zeit in der stationären Erziehungshilfe oder in einer Pflegefamilie gelebt haben und sich im Übergang in das Erwachsenenalter befinden, werden hierbei als Careleaver bezeichnet. Im Gegensatz zu Jugendlichen, die bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, werden Careleaver mit besonderen Schwierigkeiten und Herausforderungen konfrontiert. Aufgrund ihrer Erlebnisse sind sie psychisch und emotional oftmals stark belastet und verfügen über weniger stabile Beziehungen und familiäre Unterstützung, auf welche sie zurückgreifen können. So ist es dringend geboten Chancengleichheit für Pflegekinder herzustellen. Folgendes Zitat verdeutlich den Aspekt:

„Oftmals sind wechselnde Bezugspersonen und Hilfesysteme im Übergang ein riesiges Problem. Das ganze soziale Netzwerk muss einen Wechsel im Lebenslauf mittragen und oftmals sind Careleaver in dem Moment auf sich allein gestellt. Nicht jeder mit stationärer Jugendhilfeerfahrung hat solche Pflegeeltern im Rücken, die sich auch nach 18 noch für ihren Schützling verantwortlich fühlen.“ (Roxan in Familie für Kinder 2015 2018c)

Finanzielle Not

Darüber hinaus sehen sich viele Careleaver mit finanziellen Problemen konfrontiert. So müssen nahezu alle Kinder, die in Deutschland in einer Pflegeeinrichtung oder Pflegefamilie leben, 75% ihres Einkommens an das Jugendamt abgeben – unabhängig davon, ob sie arbeiten, einen Nebenjob haben, eine Ausbildung machen oder einen Bundesfreiwilligendienst oder ein FSJ absolvieren. Während der Jugendhilfe Geld anzusparen, ist für Pflegekinder demnach nahezu unmöglich, wodurch u.a. auf dem Wohnungsmarkt gravierende Nachteile für Careleaver entstehen.

„Der Übergang war furchtbar emotional. Ich war am Boden, ich war irgendwo orientierungslos und verzweifelt und mit meinem Konto total im Minus. Ich dachte oft, ich schaffe es nicht und die Kraft reicht gar nicht.“ (Rosi in Familie für Kinder 2015 2018c)

Chancengleichheit für Pflegekinder
Chancengleichheit für Pflegekinder – Ihre Spenden sind gefragt!

Zwar gibt es die Möglichkeit eine Befreiung/Reduzierung der Kostenheranziehung zu beantragen, dies ist vielen Jugendlichen und auch den pädagogischen Fachkräften oftmals jedoch gar nicht bekannt. Zudem ist ein Antrag auf Kostenbefreiung bzw. -reduzierung mit einem enormen Zeit- und Nervenaufwand verbunden.

Volljährigkeit = Selbstständigkeit?

Während Jugendliche, die bei ihren leiblichen Eltern leben können, ihr Elternhaus im Durchschnitt immer später verlassen, wird von Careleavern oftmals erwartet, dass sie bereits mit 18 Jahren auf eigenen Beinen stehen. Viele von ihnen werden in eine oft unzureichend geklärte Zukunft entlassen und müssen mit ihren Sorgen und Ängsten alleine zurechtkommen. Einige von ihnen suchen Hilfestellungen bei verschiedenen Leistungsträgern, werden jedoch oft aufgrund einer unklaren Zuständigkeit von den Ämtern abgewiesen.

„Das Ende der Jugendhilfe war damit klar. Alles was daraus folgte war sehr chaotisch. Ich wollte weg, hatte aber auch nicht den Mut und das Wissen, wie man das systematisch angeht.“ (Ludwig in Familie für Kinder 2015 2018c)

Wenn nach dem Jugendhilfeende größere Schwierigkeiten auftreten, können  die ehemaligen Pflegekinder i.d.R. nicht zurück in ihre vorherigen Wohnheime oder Erziehungsstellen. In solchen Situationen leisten einige ehemalige Pflegefamilien Nothilfe und nehmen die Jugendlichen erneut bei sich auf. Jedoch erhalten sie für ihre Tätigkeit ab diesen Zeitpunkt kein Pflegegeld mehr und müssen auf privater Basis Leistungen abdecken, die eigentlich von öffentlichen Jugendhilfeträgern geleistet werden müssten.

„Kurz vor meinem 18. Lebensjahr wurde in Gesprächen mit meinem Betreuer vom Jugendamt deutlich, dass der 18. Geburtstag einen größeren Einschnitt in meinem Leben bedeuten würde, als für alle meine Mitschüler und Freunde, die nicht in einer Pflegefamilie oder einem anderen stationären Jugendhilfesetting aufgewachsen sind. Die meisten freuten sich mit 18 auf den Führerschein, auf Unabhängigkeit etc. Bei mir war da eher ein sehr flaues Gefühl im Magen, mir war klar, dass ich vom Gesetz her ab 18 ein Niemandskind war.“ (Roxan Familie für Kinder 2015 2018c)

Individuelle Stärken fördern

In vielen Fällen stammen die leiblichen Eltern von Pflegekindern aus einer unteren Bildungsschicht, weshalb den Kindern insbesondere die Bedeutsamkeit von Arbeit und Bildung klar gemacht werden muss. So wird Bildung von vielen Pflegekindern oftmals nicht als biographische Chance wahrgenommen, weshalb die Kinder dazu ermutigt und bestärkt werden müssen, eine gute Schullaufbahn einzuschlagen und Tätigkeiten nachzugehen, bei welchen sie die Möglichkeit erhalten ihre persönlichen Fähigkeiten und Kenntnisse voll zu entfalten. Somit ist die Ressourcenorientierung in der Arbeit mit Pflegekinder eine zentrale Grundlage zu mehr Chancengleichheit für Pflegekinder.

Oftmals kommt es zu Abbrüchen und Neuanfängen, bei welchen es die Pflegekinder zu ermutigen gilt, nicht aufzugeben. Da die Bildungsverläufe von Pflegekindern jedoch oftmals diskontinuierlich und wenig linear verlaufen, werden diese mit einer Reihe von Vorurteilen konfrontiert, die es zu überwinden gilt, um gleichberechtigte Bildungschancen ermöglichen zu können.

„Bei mir hieß es immer, wir sind froh, wenn die überhaupt einen Abschluss machen. Dementsprechend war es schon für manchen gewöhnungsbedürftig, dass ich jetzt länger zur Schule gehen wollte. Weil die hatten noch nie jemanden, der Abitur machen wollte. Und dann kann es ja sein, dass man ein paar Jahre zu lange zahlt für jemanden, der womöglich gar nicht seinen Abschluss macht. Das war ein Problem beim Jugendamt.“ (Onur Yamac in Hinrichs 2014)

Notwendige Maßnahmen für die Politik

Treten starke Probleme in der Übergangsphase von Careleavern auf, werden emotionale Belastungen erneut verstärkt, was wiederum zu existenzgefährdenden psychosozialen Krisen führen kann. Aus diesem Grund benötigen Careleaver eine besonders intensive Begleitung in ihrer Übergangsphase mit dem Recht auf gleiche Bildungs- und Entwicklungschancen wie andere junge Erwachsene.

Damit dies gelingen kann, müssen einige Reformen im Rahmen der Politik stattfinden und Aspekte der Jugendhilfe und der Bildungsträgern umstrukturiert werden.  U.a. scheint eine bessere Zusammenarbeit der am Übergang beteiligten Behörden notwendig, damit Übergänge aus der Jugendhilfe flexibel, bedarfsorientiert und individuell gestaltet werden können.

Chancengleichheit für Pflegekinder
Chancengleichheit für Pflegekinder – auch die Politik kann etwas dazu beitragen!

„Es gibt unglaublich viel zum Übergang zu sagen, aber das wichtigste ist wohl, dass für jeden der für ihn individuell richtige Weg in die Verselbstständigung gefunden wird. Das Alter sollte nicht ausschlaggebend sein um zu begründen, dass jemand keine Unterstützung mehr benötigt. Die meisten haben so schlimme Erfahrungen in ihrem Leben gemacht, dass sie noch zwei, drei Jahre länger auf intensivere Hilfen angewiesen sind, um danach genauso erfolgreich ihr Leben zu meistern.“ (Roxan in Familie für Kinder 2015 2018c)

Rückhalt bieten – Visionen schaffen

Jugendhilfemaßnahmen sollten nicht beendet werden, wenn nicht klar ist, wo die Person künftig wohnen wird und wie sie sich finanzieren wird. Auf diese Weise sollen risikoreiche Übergänge vermieden werden, um das bereits Aufgebaute nicht wieder zum Einsturz zu bringen. Hierzu ist mehr Budget für die Jugendhilfe erforderlich, damit für mehr Personal für die Jugendämter gesorgt werden kann, welche in derartigen Situationen entsprechende Beratungen und Unterstützung bieten können. So lässt sich mehr Chancengleichheit für Pflegekinder herstellen.

Neben diesen Aspekten erscheint eine Überarbeitung der 75%-Regel erforderlich, damit Pflegekinder für ihre Zukunft sorgen und Geld sparen können. Nur auf diese Weise kann ihnen die Bedeutsamkeit von Arbeit und Bildung verständlich gemacht werden.

Bewusstsein für Probleme von Careleavern herstellen

Darüber hinaus muss in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Probleme von Careleavern geschaffen werden. Insbesondere Schulen, Universitäten und  Ausbildungsstätten müssen für die brüchigen Bildungsbiographien von Careleavern sensibilisiert werden. Es muss verdeutlicht werden, dass viele Careleaver ihre Ziele trotz einiger Abbrüche und Umwege erreichen, sie oftmals nur mehr Zeit, Motivation und Unterstützung benötigen.

„Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass Care Leaver mehr im öffentlichen Bewusstsein sind oder dass überhaupt ein Bewusstsein für Care Leaver da ist und dass es Strukturen gibt und Hilfen, an die sich Care Leaver wenden können. Dass man da einfach eine Unterstützung bekommt oder es Ansprechpartner gibt oder ein Netzwerk, wie wir es gerade am Aufbauen sind, dass man sich eben dahin wenden kann.“ (Sascha Beck in Hinrichs 2014)

Wollen auch Sie etwas zur Chancengleichheit für Pflegekinder beitragen? Hier können Sie für Pflegekinder spenden? Der Link!

Quellen

Familien für Kinder 2015 (2018a): Careleaver: „Wir können nichts für die schwierigen Startbedingungen, die uns in die Jugendhilfe gebracht haben!“, URL: https://www.careleaver-kompetenznetz.de/index.php?article_id=8, Abruf am 18.09.2019.

Familien für Kinder 2015 (2018b): Careleaver-Forderungen an die Politik, URL: https://www.careleaver-kompetenznetz.de/index.php?article_id=18, Abruf am 18.09.2019.

Familie für Kinder 2015 (2018c): Interviews mit Careleaver. URL: https://www.careleaver-kompetenznetz.de/index.php?article_id=38, Abruf am 18.09.2019

Hinrichs, Dörte (2014): Care Leaver. Der schwierige Weg in die Selbstständigkeit. URL: https://www.deutschlandfunk.de/care-leaver-der-schwierige-weg-in-die-selbststaendigkeit.1148.de.html?dram:article_id=281428, Abruf am 18.09.2019.

Schnieder, Milan (2018): Pflegekinder müssen zahlen. Eigenes Einkommen wird angerechnet. URL: https://www.zdf.de/politik/frontal-21/pflegekinder-muessen-zahlen-100.html, Abruf am 11.09.2019.

Stadt Köln (2017): Pflegekinder – Eine Aufgabe für Sie? Pflegeeltern gesucht. URL: https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf51/pflegeeltern-gesucht.pdf, Abruf am 11.09.2019.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.